. . . . . . . Neuzugänge. . . . . . . .

[Rezension] Vorbereitung auf das nächste Leben von Atticus Lish

Mittwoch, 4. November 2015
Titel: Vorbereitung auf das nächste Leben
Autor: Atticus Lish
Aus dem Amerikanischen von: Michael Kellner
Verlag: Arche - Oktober 2015
ISBN:  978-3-7160-2745-5 - Gebunden mit SU - 24,99 €
Seiten: 544


Kurzbeschreibung:

Die uigurische Kriegswaise Zou Lei hat es allein und mittellos bis in die USA geschafft. Illegal eingewandert und stets auf der Hut vor den Behörden, schlägt sie sich in New York mit Küchenjobs durch. Der Soldat Brad Skinner ist gerade zum dritten Mal aus dem Irak zurückgekehrt. Traumatisiert und arbeitslos begegnet er eines Tages Zou Lei, und eine Liebe zwischen Verzweiflung und Hoffnung beginnt. Auf der Suche nach Gemeinsamkeit und Halt durchstreifen sie die Stadt, treiben Fitness bis an den Rand der Erschöpfung. Doch inmitten der vielen Kulturen, der Heimatlosen und Überlebenskünstler, der Reichen und Armen, der Verrohung und Versöhnung braut sich ein Unheil zusammen, das sie für immer auseinander zu reißen droht.

Atemlos begleitet der Leser im mal harten, mal weichen Wechsel von Licht und Schatten die Liebenden durch die Straßen New Yorks und wird sie nie mehr vergessen. Atticus Lish hat den großen Roman über die verletzte Seele Amerikas geschrieben - eine Geschichte über Liebe und Krieg, über Urbanität und über das Leben an den Rändern der Gesellschaft. 





Der Autor:

Atticus Lish, geboren 1971, ist der Sohn des berühmten amerikanischen Lektors und Autors Gordon Lish. Er ist Übersetzer aus dem Chinesischen, hat in einer Styropor-Fabrik gearbeitet, auf dem Bau, als Personaltrainer, bei einem Umzugsunternehmen,
als Wachmann, als Verkäufer in einem Fastfood-Restaurant sowie im Telefonmarketing. Vor 9/11 diente er kurz als Marine in der US-Armee. Später war er längere Zeit Englischlehrer in China, wo ihn seine Reisen u.a. nach Kashgar und Yili führten, in das Gebiet der Uiguren. Er lebt mit seiner Frau in New York City. 

Meine Meinung:

Die New York Times preist den Roman als die wohl schönste und unsentimentalste Liebesgeschichte dieses Jahrzehnts.
Ein kleiner Satz, doch genau auf den Punkt gebracht. Besser könnte man dieses Buch nicht beschreiben.

Die Lebensumstände, unter denen Zou Lei aufgewachsen ist, sind alles andere als rosig. Harte Arbeit, wenig Geld und kaum etwas zu Essen. Ihre ungesunde Ernährung machte sie krank.
Wenn du den Himmel wolltest, hättest du vielleicht nicht hierher kommen sollen. Aber wenn du glaubst, dass deine Füße dich tragen, dann gibt´s ja immer noch Amerika

Seite 43

Ihre Füße habe sie getragen. Nach Amerika. Illegal und immer auf der Hut vor der Polizei hält sich Zou Lei  mit Jobs in diversen Fast Food Restaurants über Wasser. Die Bezahlung ist zwar denkbar schlecht, doch reicht es für Unterkunft, billige Sneakers und etwas zu essen.
Eines Tages lernt sie den jungen Kriegsveteranen Skinner kennen. Sie verbringen fortan viel Zeit miteinander,  jeder beeindruckt von der Stärke des anderen. Irgendwann wird aus dieser Freundschaft Liebe. Doch Skinner, der wohl weiß, wie man im Krieg überlebt, scheint am Leben in der Zivilisation mehr und mehr zu scheitern. Zu verstörend sind die Bilder von Blut und Tod, die ihn jede Nacht verfolgen. Zerstört er damit auch ihre Liebe?

Der Schreibstil des Autors ist einzigartig.
An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ihr hier keine normale Liebesgeschichte mit allem drumherum erwarten dürft. Lish schreibt nüchtern und geradlinig. Die Geschichte um Lei  und Skinner kommt ohne große Gefühle und Emotionen aus. Und doch - oder vielleicht gerade deshalb -  ist sie etwas besonderes. Skinner ist kein typischer  Hach-Herzschmerz-Glitzer-Protagonist, der Frauenherzen höher schlagen lässt. Vielmehr ertränkt er das Erlebte ständig in Alkohol, er ist deprimiert und gewalttätig. Ein Verlorener Ex-Soldat, der einem aber trotzdem irgendwie ans Herz wächst. Man hofft, dass er vergessen kann, dass er wieder Leben kann.
Lei dagegegen ist wenig anspruchsvoll. Sie akzeptiert die Dinge wie sie kommen, denn alles  - und sei es noch so wenig -  ist besser als das, was sie in ihrer Heimat hatte.
Die Geschichte  lässt einen teilweise eher an einen Bericht denken, was die beiden fühlen wird nicht in Gefühlsduseleien ausgedrückt, sondern versteckt sich oft nur zwischen den Zeilen.
Dazu trägt ebenfalls das gänzliche Fehlen der Anführungs- zeichen der wörtlichen Rede bei, was mich Anfangs noch etwas irritiert und den Lesefluss ins Stocken gebracht hatte, doch da der Schreibstil  an sich nicht locker flockig ist, so dass man sich erst einmal daran gewöhnen und vor allem darauf einlassen können muss.

Doch dann steht einer beeindruckenden Geschichte nichts mehr im Wege. Ich wurde regelrecht hineingesaugt in dieses Leben am Rande der Gesellschaft.  Mein Kopfkino lief die ganze Zeit auf Hochtour.
Und ob der fehlenden Emotionen hat der Autor trotzdem eine für mich ganz besonders beeinduckende Leistung zustandegebracht: Das Lesemonsterchen hat geweint.


Fazit:

Mit "Vorbereitung auf das nächste Leben" ist dem Autor ein beeindurckendes Meisterwerk gelungen, das ohne große Gefühlsduselei daherkommt, aber gerade deshalb etwas ganz Besonderes ist. Eine Geschichte, die man so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Geradlinig und nüchtern tauchen wir ein in die Welt zweier Menschen am Rande der Gesellschaft, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich doch ähnlicher sind, als sie vermuten.
Dieses Buch sollte man unbedingt gelesen haben!
5 von 5 Sterne




2 Kommentare:

  1. Hallo Süße :*

    Wow!!! Was für eine tolle Rezi <3 Ich kann dir in allen Punkten nur zustimmen, dieses Buch werde auch ich nicht so schnell vergessen. Ein wahres Meisterwerk <3

    Liebste Grüße
    Line

  1. Emma McLoughley hat gesagt…:

    Ich mag es, wenn die Protas nicht nur ein Päckchen, sondern einen ganzen Berg an Problemen im Gepäck haben. Das verleiht ihnen Tiefe.

    Schöne Rezi!

    Lg, Emma

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