. . . . . . . Neuzugänge. . . . . . . .

[Rezension] Kindheit in Trümmern von Barbara Warning

Mittwoch, 13. Mai 2015
Titel: Kindheit in Trümmern
Autorin: Barbara Warning
Verlag: Ravensburger - April 2015
ISBN: 978-3-473-55375-4 - HC - 19,99 €
Seiten: 192
Genre: Sachbuch
Altersempfehlung des Verlages: ab 13 Jahren


Kurzbeschreibung:

Geboren in den Wirren des Krieges, in Hunger, Bombenhagel und mit der Angst vor dem Tod. Geflüchtet mit dem, was sie auf dem Leib tragen konnten, unermessliches Leid vor Augen. Für heutige Jugendliche nicht mehr vorstellbar. Und doch sind es ihre Großeltern, die dieses Schicksal erfahren haben und die nur noch wenige Jahre davon erzählen können, wie sie Flucht und Vertreibung überlebt, ihren Alltag in den zerbombten Städten organisiert haben. Und was aus den Wunden ihrer Kindheit geworden ist. Dieses Buch erzählt ihre Geschichten.

...Die Schilderung eines einzelnen Schicksals ist eindrucksvoller, als es eine Wissenschaftliche Abhandlung über die Nachkriegszeit sein könnte
Barbara Warning



Die Autorin:

Barbara Warning, geboren 1962 in München, lebt als frei Journalistin und Autorin in Hamburg. Sie studierte Geschichte und Anglistik. Nach ihrem Volontariat arbeitete sie viele Jahre als Redakteurin bei verschiedenen deutschen Tageszeitungen. Sie ist Autorin zahlreicher Reiseführer. 
 

Meine Meinung:

21 Zeitzeugen berichten:
Über eine Zeit voller Ängste, Entbehrungen, Verteibungen und Armut.
 
Wenn junge Männer, fast noch Kinder an die Front geschickt werden... wenn ein Menschenleben nichts mehr zählt... wenn Mütter mit ihren Kinder fliehen müssen, mit nicht mehr als dem, was sie tragen können... Das Warten auf den Vater... Verlorene  Kinder...Wenn der Alltag in Schutt und Asche liegt... Wenn die Alpträume niemals verschwinden... 
Für all diese Menschen, die den Krieg als Kinder miterleben mussten, ist er immer noch allgegenwärtig. Niemals vorbei, denn Nachts kommen die Träume und Erinnerungen.
 
 
Kinder, die unvorstellbar weit laufen müssen, immer auf der Flucht vor den einmarschierenden Russen. Bei Eis und Regen, immer weiter. Ohne Rast, ohne warmes Essen, ohne richtige Kleidung...
Kinder, die zum ersten mal in ihrem Leben in das Gesicht eines Toten blicken müssen.
Kinder, für die Hunger und Angst fast schon zur Normalität zählt. Kinder, die sich an die schlimmsten Umstände gewöhnen müssen.

Mütter, die stark sein müssen, für ihre Kinder. Die ihren Lieblingen alles abverlangen müssen, um zu Überleben.

Unfassbar...

Stellt euch vor, es gibt tatsächlich noch immer 1,3 Millionen ungeklärte deutsche Schicksale. Das heißt, diese Menschen wurden als Kinder irgendwo gefunden ohne Papiere mit nichts als ihren Erinnerungen. Diese Erinnerungen bestandenvor allem bei Kleinkindern teilweise nur aus dem Kosenamen, die ihnen ihre Mutter gegeben hatte. Nicht zu wissen, wer man ist? 
 
Unvorstellbar...

Aber wir dürfen nicht vergessen. Niemals! 
 
Diese Geschichten sind mehr als nur Erinnerungen. Sie sind zugleich Mahnung, denn so etwas darf nie wieder passieren.
Denn die eigentlichen Opfer sinnloser Kriege werden immer die Kinder sein , die unter den Folgen zu leiden haben. So wie unsere Zeitzeugen bis heute. Denn Seelische Verletzungen aufzuarbeiten, dafür war keine Zeit. Der Wiederaufbau war wichtiger, die Vergangenheit dabei störte nur.
 
Ich habe das Buch nicht an einem Stück gelesen, das hätte ich nicht verkraftet. Immer wieder habe ich mir eine Geschichte vorgenommen, die ich erst mal sacken lassen musste. Unheimliche Wut aber auch Trauer und Fassungslosigkeit haben mich während des Lesens begleitet. 
 
Immer wieder spürt man aber auch die Hoffnung und Erleichterung es geschafft zu haben.
 
Ich bewundere auch den Ideenreichtum, so z.Bsp wie man aus Kartoffelschalen Knäckebrot herstellt, oder wie man Kartoffeln aus Mangel an Öl in etwas schwarzem Kaffe anbrät, damit sie nicht verbrennen. Künstliche Marmelade komplett ohne Obst, dafür aus Kaffe, Wasser, Mehl, Zucker und Backaroma...Notlösungen zwar, aber so mussten die Menschen wenigstens nicht ganz auf gewisse Dinge verzichten.
 
Ich kenne zwar einige Geschichten meiner Großeltern, die damals aus dem Sudetenland vertrieben wurden. Mein lieber Opa (Gott hab ihn selig) war Bomberpilot, verlor damals 3 Finger durch eine Granate, aber viel hat er nicht darüber gesprochen. So etwas möchte man seinen Enkelkindern auch sicher nicht erzählen. Ich denke, ich möchte auch gar nicht wissen, was es für ein Gefühl sein muss, zu wissen, das jede abgeworfene Bome Menschen tötet. Wie es ist, den eigenen Vater und Bruder unter den Gefallenen zu finden... Nur über die Medikamente, die sie nehmen mussten, um wach zu bleiben, darüber hat er erzählt.

Das Buch informiert auch immer wieder über geschichtliche Daten und Fakten, doch wie die Autorin selbst schon sagte: Nichts ist eindrucksvoller wie die Erzählungen der Schicksale.

Fazit:

Kindheit in Trümmern ist ein Buch, in dem 21 Zeitzeugen über ihre Erlebnisse als Kinder und Jugendliche während und nach der Kriegszeit des zweiten Weltkrieges berichten. Schokierend und unvorstellbar. Schicksale, die so viel mehr sind als nur Erinnerungen. Sie sind zugleich eine Mahnung: Wir dürfen nicht vergessen, wir dürfen nicht zulassen, dass so etwas jemals wieder passiert.
Eine Leseempfehlung auszusprechen kommt mir hier etwas unpassend vor, denn diese Lektüre soll uns nicht unterhalten, sondern uns teilhaben und mitfühlen lassen. Diese Schicksale haben es verdient, gelesen und weitererzählt zu werden, damit sie niemals vergessen werden.

5 von 5 Sternen



1 Kommentare:

  1. Hallo liebes :-)

    Ich kann dir nur zustimmen! Mir geht es genauso. Als ich es gelesen habe musste ich immer wieder schlucken. Ich musste das ganze erst einmal sacken lassen. Werde meine Rezension dann am Wochenende schreiben. Vorher ging es einfach nicht.
    Ganz tolle Rezi von dir :-*

    Liebe Grüße
    Line

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